Schlaganfall und Reha

bearbeitet August 2013 in Offtopic
Schlaganfall Reha – Ein Erfahrungsbericht

So, ein wenig Traumabewältigung. Geht auch direkt an die Reha-Einrichtung sowie die DRV.

Vorgeschichte

Am 24.4.2013 erlitt ich einen Schlaganfall, der exakte Zusammenhang konnte erst am Freitag dem 26.4. mittels einer Angiographie erbracht werden, wonach sich in Folge einer Dissektion der linken Arteria vertebralis ein Stammhirninfarkt ereignete. Was zur Dissektion führte ist unbekannt. Keiner der Risikofaktoren über die ich durchaus verfüge kann hierfür herhalten. Das macht es allerdings nicht leichter zu verarbeiten. Die Heparinisierung konnte beginnen. Nach einigen Tagen wird mir einiges an „Glück“ attestiert (so viel Glück man eben hat wenn man mit 34 einen Schlaganfall unbekannter Ursache bekommt). Ich trug eine Menge „Wallenberg“ und „Horner“ davon, wobei von letzterem nur noch halbseitiges Schwitzen im Gesicht geblieben ist nach nur einer Woche, die Optik war bereits wieder intakt. Ich erholte mich recht schnell und konnte mich einiger Schläuche entledigen und meine dringenden Geschäfte bald wieder selbst tätigen. Schnell sah ich mich in einem Spannungsfeld wieder in dem Ärzte und Ergo-Therapeut meinen Bewegungsdrang begrüßten während das Pflegepersonal gegenteiliger Auffassung war und mich lieber im Bett sah, wohl der Tatsache geschuldet mich nicht nach einem Sturz aufsammeln oder verbluten sehen zu wollen. Ich war daher nicht traurig nach zwei Wochen im Krankenhaus eine Woche zur Überbrückung bis zur Reha zu Hause verbringen zu müssen, denn die Alternative im Krankenhaus in einem Vierbett-Zimmer zu bleiben mit zwei Menschen die deutlich weniger „Glück“ mit ihren Schlaganfällen hatten (und regelmäßig gewendet wie gewickelt werden mussten) war wenig verlockend. Wirklich mobil war ich allerdings auch nicht, durch eine Schluckstörung ausgelöst durch den Schlaganfall konnte ich weiterhin nur flüssige Nahrung zu mir nehmen. Glücklicherweise halfen mir gute Freunde durch diese Zeit.

Die Reha wurde vom Krankenhaus angeleiert, ein Mitspracherecht hatte ich praktisch nicht. Mit Einrichtungen in den näher gelegenen Städten Bad Essen, Bad Iburg, Bad Laer, Bad Rothenfelde oder gar Osnabrück selbst habe man keine Verträge („man“? Das Krankenhaus, die DRV?). Wir sind ja nicht bei „Wünsch Dir was“ und so wurden es die „XY in Bad Oeynhausen“.

Ich bemühe mich nachfolgend alle Aussagen sinngemäß wieder zu geben, sie entstammen meinem „Gedächtnisprotokoll“ und sind nicht unbedingt der exakte Wortlaut.

15.5.2013 am Nachmittag

Check-In
Aufnahme Schwester X (sinngemäß): „Sie wissen das Sie mit der Art der Ernährung Speiseröhrenkrebs bekommen können?“ nach der Schilderung wie ich derzeit meine Ernährung gestalten muss mit Schluckbeschwerden in der einen Woche zwischen Krankenhaus und Reha allein zu Haus, zwei Wochen nach einem Schlaganfall.

Der Stationsarzt mutmaßt erst mal das ich den Schlaganfall durch zu hohen Blutdruck hatte (geht ja nicht anders, bin ja dick, wozu auch erst den Arztbrief lesen) und macht mir „Mut“: „Sie wissen, es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit eines Reinfarkts in der nächsten Zeit“. Nun, diese Wahrscheinlichkeit gibt es in der Tat bei jedem Schlaganfall.

Der Oberarzt der Neurologie im Klinikum Finkenhügel sagte zu mir dagegen vor der Entlassung „Die Chance dass Sie komplett genesen ist größer als das Sie so einen Schlaganfall noch einmal bekommen.“

Nach diesen ersten „Einlassungen“ der Reha-Profis bin ich bereits einigermaßen alarmiert. Sehr gut ging es mir an dem Tag - genau genommen schon zwei Tage zuvor - ohnehin nicht, da mich wie zuletzt im Krankenhaus eigentümliche Attacken plagten sobald ich mich irgendwie anstrengte oder aufregte. Die Attacken sehen aus wie eine TIA oder ein Reinfarkt, fühlen sich für mich so an und sehen für Außenstehende Mediziner auch genauso aus. Wie wir seit der ersten Attacke im Krankenhaus allerdings wissen ist es beides nicht zwingend der Fall und seither wird gerätselt ob die Ursache psychisch oder organisch ist. Ich nenne das Ding jetzt mal „Pseudo-TIA“. Der erste Vorfall dieser Art war im Arztbericht des Krankenhauses beschrieben, ein sofortiges CT war ohne Befund. In der Regel hilft „hinlegen und abwarten“ bis zum vollständigen Abklingen aller Symptome. Vier Tage nach dem Krankenhaus hatte ich keinerlei Vorfälle, zwei Tage vor Reha-Beginn ging das wieder los und zwar dergestalt, dass ich im Wesentlichen nur noch rumlag außer um zur Toilette zu gehen. Ganz irre viel mehr ging vorher auch nicht, aber selbst „sitzen“ war jetzt nicht mehr möglich.

18.5.2013 am Vormittag (0715)

Nach dem Duschen bekomme ich weiche Knie, eine „Pseudo-TIA“ zwingt mich erstmals zur Betätigung der „Notklingel“ am Bett in das ich mich zügig legte. Ich warte 15-30 Minuten und denke einstweilen „Das war´s?“ im eigenen Saft, hätte ich es gekonnt; die 112 zu wählen wäre womöglich schneller gewesen… Dann bekomme ich gesagt von der erschrockenen und mitfühlenden Schwester die sich schließlich doch noch materialisiert ich müsse die Klingel zweimal drücken wenn es dringend sei, eine andere meinte weniger empathisch ich müsse ja nicht gerade Duschen wenn die alle mit der Pflege beschäftigt sind und überhaupt wisse sie nicht wieso manche Menschen jeden Tag duschen müssten (ich duschte unmittelbar vor der Attacke, ich duschte zuvor schon ein Dutzend Mal ohne davon eine Attacke zu bekommen und werde es weiter tun). Die herbei geeilten Ärzte vom Dienst geben mir eine Blutdrucktablette, die Attacke ebbt ohne Folgen nach einiger Zeit ab (wie bereits 2x im Krankenhaus zuvor und einmal allein zu Hause). Aber gut zu wissen: „Im Notfall 2x drücken und weniger duschen“. Abwarten und nichts tun bei den Attacken kannte ich auch schon.


20.5.2013 am Vormittag (Pfingstmontag)

„Pseudo-TIA“ (langsam nervt´s). Ohne noch zum Duschen zu kommen, direkt beim Frühstück auf der Bettkante, ich drücke die Klingel, diesmal geht es schnell (unter 10 Minuten). Diensthabende Ärztin (mittlerweile die Fünfte die ich an dem WE sehe) schickt mich mit RTW und Sack und Pack zur Neurologie in Minden. Ich sage dem Rettungsassistenten beim Einladen das es mir wieder gut geht noch bevor wir das Krankenhaus erreichen und so ist es.

Die in Minden diensthabende Neurologin verschreibt mir Lyrica und schickt mich wieder zurück zur Reha. Lyrica hilft tatsächlich und wird mir binnen zwei Tagen der Einnahme erstmals ermöglichen ab 22.5.2013 vollständig an den Reha-Maßnahmen teilzunehmen, nach einer Woche in der Reha. Das ist mal positiv. Ein erneutes CT spart man sich. Auf Nachfrage meinerseits warum man das CT nicht macht wenn man mich schon so aufwendig herum karrt erfahre ich dass die Strahlung dabei ja nicht ganz ohne ist und solang meine Symptome allesamt wieder verschwinden liegt auch kein Reinfarkt vor. Schlüssig. Da ich natürlich genau während des Mittags in Minden war muss mir ein halbes Frühstück und Abendbrot an diesem Tag reichen. Ich werte die Tatsache dass ich nach der Action sowohl Appetit als auch Hunger habe als absolut positiv. Das macht allerdings nicht satt.

21.5.3013 am Vormittag

Nach dem Schock vom Vortag zeigt Lyrica bereits Wirkung und ich fühle mich besser. Die Pseudo-TIAs treten zwar weiterhin auf, lassen sich aber binnen Minuten einfach aussitzen was zuvor Stunden dauern konnte. Bespreche mit der Oberarztvisite das ich gern am Anfang noch zu den Therapien begleitet/abgeholt werden würde, da ich mich noch nicht sicher genug allein fühle (Lyrica sorgt für ein gehöriges Trunkenheitsgefühl) und ich mich in der Einrichtung nicht auskenne. Ich werde in der Folge NIE zur irgendetwas abgeholt oder gebracht und gehe notgedrungen allein was auch gut klappt. Das stärkt allerdings nicht mein Vertrauen in getroffene Absprachen.

Am Abend bekomme ich meinen INR-Pass zurück, mir fällt eine viel zu geringe Dosierung des Gerinnungshemmers auf im Vergleich zur Woche allein zu Haus und der Zeit im Krankenhaus. Mein Hinweis an Schwester X (die mit dem Speiseröhrenkrebs) das bereits eine Dreiviertel-Tabletten-Dosis nicht zum Erhalt eines stabilen INR-Wertes ausreicht wird ignoriert. Jetzt sollte ich nur Halbe- und Viertel-Tabletten im täglichen Wechsel nehmen. Mit Folgen.

23.5.2013

Auf dem Rückweg von einer Therapie im Untergeschoss treffe ich am späten Nachmittag auf eine orientierungslose ältere Dame am Rollator. Sie wartet bereits eine Stunde auf eine Abholung durch „Abholdienst“ (der der mich auch nicht holte) von der Bäderabteilung zurück auf die Station. Ich frage die Dame wo sie hin muss und erfahre sie muss auf dieselbe Station (Hessen, Zimmer 2235) wie ich und nehme sie natürlich mit.


24.5.2013

Die Bettwäsche müffelt mittlerweile erbärmlich, nach neun Nächten und sechs ganzen Tagen darin nach „Pseudo-TIAs“ mit enormer Schweißfreisetzung und das WE sowie Besuch stehen vor der Tür. Ich wasche meine Bettwäsche selbst im Patientenbereich für 4,-€.

25.5.2013

Ich frage eine Schwester wann denn hier die Betten wohl mal frisch gemacht werden: „Das weiß ich nicht, da müssen Sie sich an die Reinigungskräfte wenden“. OK…


28.5.2013 (Vormittag+Abend 1900)

Chefarztvisite: Ich frage den Chefarzt was ich angesichts von maximal zwei Stunden „Programm“ in Form von Therapien/Anwendungen in einer stationären Reha mache. Darauf antwortet er „Das frage ich mich gerade auch, wir prüfen mal einen Umstieg auf ambulante Reha ins MedikOS“. Das hätte ich natürlich großartig gefunden.


Ich weise eine Schwester darauf hin, dass mein derzeit kritisches „ Pfizer Lyrica 75mg“ Medikament zuneige geht. Ich bekomme sofort eine nackte Blisterpackung Nachschub. Zum Glück ist mein Verstand noch hinreichend scharf, so dass ich den Blister am Abend genauer unter die Lupe nehme und lese „Hexal L-Thyrox“ und befrage Google: Dabei handelt es sich wohl um ein Schilddrüsenmedikament. Nicht wirklich das was ich brauche. Ich befrage die Diensthabende Schwestern-/Pflegerschaft (die Schwester die mir das falsche Medi gegeben hat ist leider nicht mehr da) am Abend: „Haben Sie das vielleicht neu verschrieben bekommen?“ Darauf ich: „Dann wäre ja die heutige Chefarztvisite der ideale Zeitpunkt gewesen mir das mitzuteilen“. Mit dem für das Wochenende geplanten und genehmigten Freigang wäre eine vermeintliche „TIA“ im Kino unter dem vermeintlichen Schilddrüsen-„Lyrica“ sicher ganz interessant geworden. Ich bekomme von Schwester Y noch den Kommentar „Herr Bäcker, im Moment ist es hier ….“ und von Schwester Z die mir schließlich das gefragte Lyrica bringt „Das Schilddrüsenmedikament hätte Ihnen auch nichts gemacht“ rein gedrückt erwartet. Mir stockt jetzt beim Schreiben noch der Atem. Ein einfaches „Sorry“ hätte mir gereicht, aber diese Kommentare spotten jeder Beschreibung.

29.5.2013

Der INR wurde in der Reha nach heutiger Messung unter den therapeutischen Zielwert (2-3) getrieben: 1.58

Wie bereits von mir am 21.5.2013 befürchtet und gegenüber Schwester X prognostiziert. Der therapeutische Zielwert beträgt 2-3, nicht 1-3 und auch nicht 1,5-3.

Die Fortsetzung der Reha in dieser Einrichtung scheint mir nicht mehr sinnvoll, jedwedes Vertrauen meinerseits ist nun endgültig erschöpft hinsichtlich der medizinisch-pflegerischen Leistung. Mit dem falschen Medikament gestern und nun zu niedrigem INR-Wert über fast eine Woche scheint mir meine Gesundheit hier eher gefährdet als gefördert. Die ständige Alarmbereitschaft kann auch nicht erholsam sein.

Da morgen schon wieder Feiertag ist, kann ich bis zum 31.5. hier niemanden Qualifiziertes zu der Lage befragen, zumindest mal keine Schwester. Ergo nehme ich das Heft gemäß des INR-Passes und der Werte der Vergangenheit selbst in die Hand und verdopple die Marcumar-Dosis, nichts was nicht schon mit derselben Dosis schon einmal passiert wäre.


30.5.2013 am Vormittag

Eine Schwester verpasst mir überraschend eine „Trombose-Spritze“ mit dem Kommentar „Ich habe gerade erst die Anordnung gesehen, die hätten Sie schon früher bekommen sollen“. Ich frage ob das was mit meiner Blutgerinnung zu tun hat, da ich aufgrund meines niedrigen INR bereits die doppelte Dosis Macumar am Vortag genommen hatte. Die Antwort: „Nein“.

Am Abend will mir ein Pfleger eine „Heparin-Spritze“ setzen, mir wird schlagartig klar dass das mit den Spritzen sehr wohl und nur dem niedrigen INR geschuldet ist, dumm nur dass das niemand mit mir besprochen hat. Ich versuche dem Pfleger die Situation zu erklären und lehne daher die Spritze ab.

31.5.2013

Und wieder kommt eine Schwester die mir eine Heparin-Spritze setzen will, wie schon beim Nachtpfleger zuvor lehne ich die erneut ab da ich mich bereits „selbst“ mit Marcumar versorgt habe. Findet da keine Übergabe statt?

Ich werde am späten Vormittag zum Stationsarzt zitiert um mein eigenmächtiges Handeln zu erklären. Dies tat ich: INR 1,58 der schlechteste Wert jemals, wie das sein könne und warum mir dazu keiner ein Wort sagt und wie da weiter verfahren wird. Nachdem man mir am Dienstag zuvor statt Lyrica Schilddrüsentabletten gab und der miese INR mir erst am Mittwochabend aufgefallen ist und der nächste Tag ein Feiertag (Fronleichnam) war hatte ich die Sache eben selbst in die Hand zu nehmen. Das war laut Pass ja ersichtlich und keine höhere Mathematik und schien mir sinnvoller als weiter tagelang unter dem Therapiewert herum zu gondeln. Ich bekam zu hören dass ich ja jetzt Tod sein könnte und mein INR bei 5 oder 6 liegen könne. Er lag dann tatsächlich am 31.5.2013 bei 1.8, exakt dort wo er mit einer einmaligen Dosis von zwei Tabletten laut Pass auch schon einmal lag. Ich verblieb mit dem Stationsarzt so, dass wir alles weitere direkt miteinander Regeln würden. Ich bemerkte noch dass man doch - vielleicht sogar öfter mit dem Patienten statt über den Patienten reden sollte, zumindest wenn das - glücklicherweise wie in meinem Fall - noch möglich ist.

Am Abend wollte ich mir besagten INR-Pass aus dem Schwesternzimmer abholen um mit dem Stationsarzt das weitere Vorgehen abzusprechen, insbesondere nun die korrekte Marcumar-Dosierung basierend auf meiner Erfahrung. Die Schwester (Schwester Z – „das Schilddrüsenmedikament hätte ihnen nicht geschadet“) meinte dabei nun süffisant „Ich könne dann ja wieder eigenmächtig doppelt dosieren“ worauf ich entgegnete dass ich das schon vom INR-Wert abhängig mache und wenn der nicht erst trotz meiner Vorwarnung in den Keller gewirtschaftet worden wäre hätte ich mich nie zu der „eigenmächtigen Handlung“ hinreißen lassen die mir nun unterstellt wurde. Ich machte mir tatsächlich die Mühe es ausführlich zu erklären wie der INR-Verlauf mit welcher Medikation bei mir war, wann ich warnte und warum ich tat was ich tat. Ich hatte allerdings schnell (und doch zu spät) den Eindruck dass es völlig egal für die Schwester war was ich das erzählte, sie meinte sie würde sich zukünftig jede „Verweigerung“ meinerseits immer notieren und meine mangelnde Kooperation. Es ging also nur um eine Machtdemonstration Ihrerseits. Ich entriss ihr daraufhin den INR-Pass und entschwand in mein Zimmer. Sie meinte „Das hab ich ja noch nie erlebt“, Ich: „Dann schreiben Sie sich das auf“. 30 Minuten später kam der Stationsarzt und ich erklärte den Vorfall genauso. Wir verblieben so wie wir es schon vor dem Vorfall wollten: Wir klären alles direkt ohne Schwestern. Ich flüchtete mit der größten Wut des ganzen Jahres im Bauch ins Heimwochenende. Dies und eine gewaltige auf mir liegende Last von Frustration/Depression die mir zuvor nicht bewusst war viel noch während der Heimfahrt von mir ab. Es geht hier immerhin um mein Leben und meine Gesundheit und ein Reinfarkt durch INR-Missmanagement in der Reha kommt in meiner Lebensplanung definitiv nicht vor. Wie nicht anders zu erwarten wurde die INR-Unterschreitung innerhalb der Einrichtung als „unbedeutend“ abgetan.

3.6.2013

In der Oberarztvisite weise ich auf die falsche Medi-Herausgabe (L-Thyrox statt Lyrica), den schlechten INR-Wert sowie den Vorfall vom vorigen Freitag in dem Rahmen hin. Der Oberarzt wirkt einigermaßen irritiert, äußert sich mir gegenüber allerdings auch nicht weiter. Ich erkundige mich nach der Aussage von einer Woche zuvor des Chefarztes nach dem Stand mich in eine ambulante Reha zu verbringen die es wohl nie bis zum Oberarzt geschafft hatte. Am Donnerstag dem 6.6.2013 soll es hierzu nun zu einer Entscheidung geben. Gut das hier praktisch keine Zeit verplempert wird, vor allem nicht meine.

Weiterhin stelle ich fest dass alle abgezeichneten und sauber gestapelten Behandlungspläne der gesamten letzten zwei Wochen aus meinem Zimmer über das Wochenende verschwunden sind. Da hätte ich durchaus gern mindestens eine Kopie von erhalten aber als Patient hat man offenbar hier ohnehin keine Rechte. Die restlichen Behandlungspläne der letzten Woche bewahre ich fortan im Safe auf (Paranoia irgendjemand?).

4.6.2013

Der Sozialdienst ist einigermaßen entsetzt von meinen Schilderungen bis hier hin, am 5.6.2013 –nach genau drei Wochen Aufenthalt – bekomme ich frische Bettwäsche die ich nicht selbst gewaschen habe; erstmalig. Außerdem ist man mir sehr beim Papierkram zum Übergangsgeld mit der DRV behilflich. Beruflich weise ich darauf hin, dass ich mir wenig Sorgen mache meinen Job weiter ausüben zu können und dass ich hier bzgl. Wiedereingliederung alles bilateral mit dem Arbeitgeber werde klären könne. Man gibt mir den Tipp mich noch an das Qualitätsmanagement des Hause mit meinen Erfahrungen zu wenden. Darauf entgegne ich, dass ich das vor meiner Entlassung lieber nicht tue, da ich dem Hause mittlerweile alle zutraue und bemerke „Abgerechnet wird zum Schluß“.

5.6.2013

Ich bin dick, also werde ich in jeden Ernährungs- und Diätvortrag gesteckt der geboten wird. Eine Differenzierung erfolgt nicht. Über die Art meiner Essstörung weiß am Ende der Reha niemand außer mir etwas wissen, denn es hat hier niemand je gefragt oder angesprochen. Wäre auch eher etwas für die Psychologie als für einen Diätassistenten, keine Frage. Natürlich hätte ich selbst Hilfe suchen können, doch dies hier zu tun ist mir einstweilen ohnehin gründlich vergangen. Lassen Sie mich einfach den folgenden Vorschlag machen: Wenn Sie jemandes Gewicht in der Reha irgendwie beeinflussen wollen (und ich glaube das Stand durchaus im Arztbrief vom Krankenhaus dass das bei mir ein Thema ist) dann sollte man mit dem Patienten vielleicht auch wenigstens EINMAL eingangs (in der ersten Woche) darüber reden wie es zu den Pfunden gekommen ist. Die sehr allgemeinen Frontal-Unterrichts-Einheiten gingen in meinem persönlichen Fall komplett an allem vorbei und vermittelten mir rein gar nichts Neues über Ernährung. Leider vertane Zeit, besonders die 90 Minuten über Haferflockenplätzchen aber immerhin überhaupt ein Programm…

6.6.2013

Heute also „der Tag der Entscheidung“ ob und wie stark verkürzt in die ambulante Reha überführt werden wird. Ich versage in den Neuropsychologie-Tests merklich und kläglich und ich erfahre nebenbei das ich noch einen Termin am 11.6. Dienstag dort habe. Mittwoch drauf war der ursprüngliche Entlassungstermin geplant. Also nichts mit früher raus? Nach dem Mittag gehe ich ins Büro des Stationsarztes und äußere mich dergestalt: „Ich gehe morgen (Freitag, 7.6.2013) mit oder ohne den Segen des Hauses, ich halte es hier nicht mehr aus. Andere Leute entscheiden seit Wochen über meinen Tagesablauf, wie ich mich zu fühlen habe, was mein Hirn leisten zu hat und die Leute die über mich entscheiden tun dies wenig vertrauenserweckend“. Der Stationsarzt sagt man wird sich heute mit dem Stationskollegen zusammensetzen und er würde sich später bei mir melden.

Später erschien der Oberarzt und Neurologe bei mir und stellte mir eine Entlassung am kommenden Dienstag (11.6.) in Aussicht (einen ganzen Tag eher). Ich sage morgen am Freitag passt mir besser, ich wolle hier keinen Tag länger bleiben und schnellstmöglich hier raus. Wir finden einen Kompromiss mit Samstag dem 8.6.2013.

7.6.2013

Im Abschlussgespräch mit dem Stationsarzt fällt diesem erstmals bei der Durchsicht meiner Akte auf dass ich am Pfingstmontag im Vorfeld während einer Pseudo-TIA mit Verdacht auf Reinsult durch eine Kollegin zur Neurologie nach Minden verlegt wurde. Das war ja insofern für mich bedeutend dass dabei immerhin „Lyrica“ herauskam, das Medikament welches mich überhaupt erst Reha-Fähig machte. Es irritiert schon, wenn der eigene Stationsarzt dieses Schlüsselelement meines gesamten Aufenthalts erst bei meiner Entlassung zur Kenntnis nimmt.

Ferner bekomme ich am heutigen Freitag gegen 1600 meinen INR-Pass gebracht, erneut wurde mein INR unter das therapeutische Fenster (2-3) auf einen Wert von 1,79 runter gewirtschaftet. Der Stationsarzt ist schon im Wochenende, auch den Oberarzt erreiche ich nicht mehr.

Jetzt muss ich nur noch eine Nacht bis zur Entlassung hinter mich bringen doch zerschlägt sich die Möglichkeit am Samstag von jemandem privat und direkt abgeholt zu werden. Es bliebe für die Abreise nur noch die Bahn. Die Vorstellung mit 3,5 Wochen Gepäck im Schlepptau ohne Begleitung in einem nicht klimatisierten Regionalexpress ohne Sitzplatzreservierung nach Hause zu fahren gefällt mir nicht so gut (denn so fit bin ich auch wieder nicht), zumal ich noch die Möglichkeit habe das mich ein Freund heute Abend abholen könnte, der dafür auch „mal eben“ 140km Wegstrecke in Kauf nimmt, Samstag aber eben nicht kann. Ich frage also freundlich am Freitagabend bei den Schwestern nach, die wiederum genervt aber immerhin meinem Wunsch entsprechen. Die noch genervtere diensthabende Ärztin die meinen „Sonderurlaub“ genehmigt nötigt mir noch die Unterschrift auf einem entsprechenden Formular ab, macht aber ebenfalls keinen Hehl daraus dass sie mir nicht glaubt, „Ich kann Sie ja nicht zwingen zu bleiben“. Mir ist es einstweilen egal, denn die Übernachtung zum Samstag dient ohnehin keinerlei therapeutischem Zweck mehr und auf eine weitere Nacht in dieser Einrichtung kann ich sehr gut verzichten.

Sonstiges:

In der ersten Woche: Ich kann gelegentlich gehen aber kein Wasser mit Kohlensäure schlucken nach dem Schlaganfall. Ich gehe zum Schwesternzimmer und Frage nach stillem Wasser ohne Kohlensäure und bekomme ein genervtes „Das gibt´s doch auch massig aus der Leitung“ zu hören, dann gibt man mir schließlich doch das angefragte Wasser in die Hand. Heute könnte ich wieder auf so dumme Sprüche kontern, zu dem Zeitpunkt allerdings nicht.

Meinen Transport zur Reha kann ich dann auch noch selbst organisieren, nachdem die Post der Reha-Klinik gerade mal zwei Tage vor Reha-Beginn bei mir zur Hause aufschlägt. Weder die Krankenkasse noch die DRV fühlen sich zuständig.

Internet 12,50 Euro/Woche und dann so langsam wie eine ISDN-Verbindung vor 15 Jahren. Das ist einfach nur dreist, 14kb/s reicht wirklich einfach für gar nichts. Sicher vergleichsweise ein Luxusproblem, aber nach 70,-€ für TV und Telefon sei auch das angemerkt.

Für keinen einzigen der Vorfälle hat sich jemals irgendjemand auch nur ansatzweise entschuldigt, dabei hätte man allein damit auch die größten Fehler aus der Welt geschafft, denn Fehler passieren. Mir dagegen aber das Gefühl zu geben kein vollwertiger Mensch und nicht klaren Verstandes und irgendwie auch selbst Schuld an allem (vor allem natürlich den Schlaganfall selbst) zu sein ist etwas was die dreieinhalb Wochen in der „Reha“ zu den miesesten meines Lebens gemacht haben.

Positives

Logopädie: Herr B. ist der Erste in der Reha der mich von Beginn an nicht in eine Schublade steckt und mich als Mensch und seine Aufgabe ansieht. Seine Fürsorge hat mich gerade in den ersten Tagen wirklich mehr als einmal zu Tränen gerührt. Mit Eis ließ ich mich allerdings gut und gern bestechen. In kurzer Zeit schafften wir es von „Matsch“ zu „Vollkost“ am Buffet. Ein echtes Stück Lebensqualität nach vier Wochen Suppen und Püree zuvor.

Sozialdienst: Frau W. ist erschüttert von meinen Schilderungen, verweist an die QM-Beauftragte, verschafft mir frische Bettwäsche und hilft mir durch den DRV-Formular-Wust vor dem ich schon kapituliert hatte. Vielen Dank!

Krankengymnastik/Neuro: Kurz und heftig aber ein erstaunlich schneller Effekt. Leider drei unterschiedliche Therapeutinnen binnen drei Wochen. Das ist etwas Schade.

Neuro-Massage: Viel zu kurz, viel zu selten. Sehr angenehm und durchaus wirksam.

Koordinationsgruppe: Für mich ähnlich der Krankengymnastik die wirksamste Therapie hier. Auch hier vier Therapeuten in drei Wochen. Hätte ruhig täglich sein dürfen.

Handsandbad/Armbad: Das ist ganz prima für Arm und Hand, ich frage mich nur was mit dem Rest der rechten Seite von mir ist? Oberkörper, Bein, irgendjemand? Oder Motorik links, nein? Aber wir sind ja bei „Positiv“.

Oberkörperergo, Motomed: Nette Beschäftigungstherapie, etwas fordernd muss man es sich aber schon selbst einstellen. Ideal zum partiellen Aggressionsabbau.

Letzte Worte

Mit dem Ende der Reha geht es mir trotzdem signifikant besser, physisch wie psychisch. Das ist vor allem der Neurologin in Minden zu verdanken, die mich mit dem richtigen Medikament überhaupt erst therapiefähig machte und welches mir die Kraft gab endlich den „Kampf“ aufzunehmen im wahrsten Sinne des Wortes. Fortan habe ich jede Treppe auf und ab bezwungen auf dem Weg zu jedwedem Termin, dass allein war mehr Sport und Gleichgewichtstraining als in allen „Anwendungen“ zusammen plus Ausflüge in den Park und zum Supermarkt. Konnte ich anfangs nur schwer am Treppengeländer entlang eiern ging ich drei Wochen später freihändig vom UG in den zweiten Stock die Treppen hinauf mit einem Becher Kaffee in der Hand ohne etwas zu verschütten. Natürlich hatten die bereits positiv angesprochenen Anwendungen auch ihren gehörigen Anteil.

Am Ende bleiben einige Fragen offen:

1. Warum wurden die letzten zweieinhalb Wochen stationärer Reha nicht intensiver genutzt? Ich hatte ja sogar darum gebeten.

2. Warum wurde die Überführung in eine ambulante Reha nicht schneller forciert, wurde es doch bereits mehr als zwei Wochen vor geplantem Endtermin sogar beim Chefarzt angesprochen? Auch darum hatte ich gebeten.

3. Warum ist das Pflegepersonal so unfassbar unsensibel? Ich hoffe diese Erfahrung bleibt allein geistig regen Patienten die sich noch mitteilen können vorbehalten. Dünne Personaldecke, miese Bezahlung, ist mir klar. Doch manchmal ist es ja auch besser einfach mal gar nichts zu sagen.

4. Werden die Marcumar-Dosen anderer Patienten bei Ihnen eigentlich gewürfelt und der INR anderer Patienten auch so brachial unterhalb des Soll-Werts getrieben, auch wiederholt nach erstem anzählen?

5. Kommt es häufiger vor das Patienten versehentlich die falschen Medikamente erhalten? Und wenn ja, bekommen die dann auch sinngemäß ein „Haben Sie sich mal nicht so“ zu hören statt einer Entschuldigung die hier angebracht wäre?

6. Warum dauert es drei Wochen frische Bettwäsche zu bekommen (und dass auch erst durch Einwirkung des Sozialdienstes, ich bin sicher wir hätten sonst auch „gar keinen Wäschewechsel“ schaffen können)?

Es mag ja für Außenstehende nicht nachvollziehbar und überzogen klingen. Für mich war diese Behandlung zusammen mit dem Schlaganfall und der Ohnmacht sich nicht mehr gegen all die Fremdbestimmung wehren zu können einhergehend mit vollständigem Autonomie- und Kontrollverlust tatsächlich recht traumatisch. Ganz sicher handelt es sich hier nur um einen bedauerlichen Einzelfall. Hoffen wir dass es dabei bleibt.

Kommentare

  • Toaster,

    ich muss sagen, ein sehr schöner Bericht. Allerdings auch echt erschreckend. Blöd ist, das die, die Therapieberichte entfernt haben.
    Aber eine schriftl. Beschwerde wäre mir das wert.

    INR ist wohl der Blutgerinnungswert??, aber was ist eigentlich eine TIA?
    "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." (Zitat von Albert Einstein)
  • Du hast den nicht wirklich ganz gelesen, oder? Ansonsten Respekt!

    Genau, der INR-Wert (International Normalized Ratio) gibt die Blutgerinnung an und löst den sogenannten "Quick-Wert" ab. Wenn man erstmal unter Gerinnungshemmern ist bekommt man so ein kleines rotes Heftchen (Marcumar-Ausweis, INR-Pass), da steht dann immer drin wie der letzte INR-Wert war, wieviel Tabletten man wann genommen hat und noch nehmen muss und warum überhaupt, damit man im Idealfall bei einem Unfall nicht verblutet bevor man "Marcumar" (ein Medikament zur Gerinnungshemmung) sagen kann.

    -> http://de.wikipedia.org/wiki/Internatio ... ized_Ratio

    TIA steht für "Transitorische Ischämische Attacke", ist wie ein Schlaganfall und sieht auch so aus, nur dass alle Begleitsymptome von Minuten binnen 24h wieder vollständig zurück gebildet sind. TIAs gehen den richtigen Schlaganfällen gern voraus, können also rettende Warnschüsse sein. Ich hatte auch zwei TIAs in der Nacht vor dem kapitalen Schlaganfall (bei dem das Hirn dann eben dauerhaft geschädigt wird, während eine TIA nur ein kurzzeitige Durchblutungsstörung ist bei der kein Hirngewebe abstirbt). Deswegen ist eine TIA gleich zu behandeln wie ein Schlaganfall (sofort zur nächsten Stroke-Unit!), nur dass bei der TIA die Symptome bis zur Einlieferung im Krankenhaus wieder weg sind, daher kann es hilfreich sein wenn man weiß was eine TIA ist und man in der Notaufnahme sagt dass man so etwas gerade hatte.

    Das Problem bei meinen "Ticks" ist, dass die eben auch nach dem Schlaganfall ständig noch auftreten ebenfalls aussehen wie eine TIA oder ein Reinfarkt. Das ist aus dem Grunde auch besonders gemein, weil das Reinfarkt-Risiko bei einem Schlaganfallpatienten in den ersten Wochen und Monaten sehr hoch ist. Defacto produziere ich also ständige Fehlalarme. Das ist natürlich recht belastend und je weniger Lyrica ich nehme, je kribbliger wird die linke Gesichtshälfte und je häufiger und vor allem heftiger sind diese Pseudo-TIAs. Bis zuletzt meinte die Psychologin es wäre eine Panikstörung (unterbewusst) und der Neurologe meint es wäre organisch. So oder so, es ist das Nervigste was mir von dem Schlaganfall übrig geblieben ist.

    -> http://de.wikipedia.org/wiki/Transitori ... he_Attacke

    Man muss sich verinnerlichen dass die Medizin bei einem Schlaganfall nicht so furchtbar viel macht wie man vielleicht denken könnte. Der Diagnose "Schlaganfall" (Patient->CT->"Ja, ist Schlaganfall" und dann weiß man noch so grob welche Hirnteile betroffen sind) folgt in der Regel die Frage "wodurch" (was man im CT nicht zwingend sieht) und da gibt´s nur zwei Möglichkeiten

    1. Verstopfung (verstopfte Arterien, irgendwo hat sich ein Klumpen gelöst und das Hirn verstopft)
    2. Blutung (ein Blutgefäß im Hirn ist geplatzt, etwa wegen hohem Blutdruck). Eine solche Blutung kann man natürlich schlecht mit Gerinnungshemmern behandeln, deswegen muss man Blutungen erstmal weiträumig ausschließen

    also Rohr verstopft oder Rohr geplatzt.

    In der Nacht von Di auf Mi hatte ich die TIAs, MI ins Krankenhaus, was es von dem war wusste man erst FR um 2100, da hatte ich den eigentlichen Schlaganfall schon.

    Bei ersterem gibt man Gerinnungshemmer (Heparin+Marcumar oder ASS) und das war´s neben Beobachtung. Deswegen bin ich was die INR-Werte angeht auch so penibel, weil das ist alles, mehr geht nicht an "Therapie" direkt für/gegen den Schlaganfall. Wenn irgendwo ein Rohr platzt dann schraubt man die Birne auf und versucht das Leck abzudichten aber meist wird der Schaden nur noch verwaltet. Daher würde ich vorschlagen Schlaganfälle nach Möglichkeit zu vermeiden. :ostern_lol:
  • Doch, habe alles gelesen ;-).

    Du kannst es auch gut schriftlich rüberbringen. Darum würde ich an deiner Stelle ruhig eine schriftl. Beschwerde einreichen.
    Es wird nichts grosses bei rauskommen, aber oftmals ist es für einen selber hilfreich, wenn man seinen Unmut kund tut.
    Ausserdem geht es dir jetzt besser. Im angeschlagenen Zustand ist man eh nicht so schlagfertig und behält vieles für sich,
    weil man ganz andere Probleme hat.

    Und ehrlich gesagt, kann das eigentlich nicht sein, was da passiert ist. Darauf kann man auch schon mal hinweisen.
    "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." (Zitat von Albert Einstein)
  • Alle Achtung :!:

    Der ganze Text ist natürlich primär zu dem Zweck entstanden ihn an die DRV sowie an das Qualitätsmanagement der Reha-Klinik zu schicken, es ist die Beschwerde (Zweiter Satz des ersten Posts ;) ). Aber allein ihn heute konzentriert von 0630 bis 1330 zu überarbeiten hat mir gut getan, weil es schlichtweg zeigt das ich wieder stundenlang und konzentriert Bildschirmarbeit machen kann. Das sind für mich alles kleine aber zählbare Erfolge auf dem Weg zurück.

    Ob die sich damit am Ende den Arsch abwischen ist natürlich eine andere Sache. Es ist für mich natürlich gut zur Bewältigung und um das teils reichlich unfassbare etwas fassbarer zu machen aber irgendwie ist das schon fast surreal, oder? Da tut es schon unheimlich gut wenn ich das nicht allein so sehe. Besten Dank Dirk!

    Und es ist wie Du es sagst: Man ist nach einem Schlaganfall eh schon nicht so toll gelaunt, wenn man dann so eine "Reha" erlebt ist das recht kontraproduktiv. Vielleicht verbessert sich ja doch irgendwas, ich hab´s zumindest versucht. Beweisen kann ich eh nichts außer die wiederholt miesen INR-Werte die ich in meinem Pass schriftlich habe. Beim ganzen Rest steht im Zweifel Aussage gegen Aussage und einen Schlaganfallpatienten kann man ganz schnell zu einem :irre: abstempeln. Da fühlt man sich dann doppelt gefickt (oder machtlos). Eine Krähe kackt der anderen nicht in den Hals - oder so ähnlich. :?

    So kann ich die Story auch anderen Leuten zugänglich machen, ohne sie 100x erzählen zu müssen um doch jedes Mal Details auszulassen.
  • Das war leider keine Ausnahme. Habe schon ähnliches gehört, da hatte die Krankenschwester und der Artzt sich aber mit dem falschen angelegt. Derjenige ist unter anderem Berater für Firmen denen verschiedene Krankenhäuser gehören, hat also über Umwege Einfluss beim Management. Der wusste wie man kontern kann. Da ging es schnell um die Rechnung für den Aufenthalt. Und das war nur eine Kleinigkeit, kein Schlaganfall. Was will man da als normaler Unwissender schon machen? Und dann noch nach einem Schlaganfall? Aber solange niemand, oder kaum jemand, sich beschwert, was wird da viel passieren?
  • Eigentlich unfassbar - aber eben nur eigentlich. Wie krank unser Gesundheitssystem ist haben wir ja alle bereits vermutet. Die von dir hier in lesenswerter Form dargestellten Ereignisse beschreiben vielfach die Symptome. Wie krank das System wirklich ist können wir weiter vermuten - oder eben auch deinem Lesetipp folgen. Ich werde mir das Buch auch besorgen - gibt ebenfalls interessierte Mediziner in der Familie :-)

    Alles in allem freut mich aber am Meisten, dass du wieder so fit bist, dass solche Abhandlungen möglich sind. Weiterhin gute Genesung und Alles Gute!
  • Danke Danke! Glücklicherweise sitzen im Stammhirn keine kognitiven Dinge, nur die unbedingt wichtigen zum Leben und die wesentlichen wie Atmen haben überlebt ;) Hab ich schon erwähnt das ich seither weder Lachen noch Weinen kann? Ich kann die Emotionen noch empfinden aber ich kann Sie nicht wie vorher ausdrücken, ich mache dann nur ein komisches Gesicht. Das ist schon seltsam aber noch das kleinste Problem. Dafür wird man wohl keinen Behindertenausweis bekommen.

    Ebenfalls nicht erwähnt (weil anderer Themenkomplex) habe ich dass die Krankenkasse (Barmer) keinen Cent bezahlt an Fahrtkosten, nichtmal die Taxifahrt die einmalig nötig war zu meinem Hausarzt in der Zeit zwischen Krankenhaus und Reha um mir ne Krankmeldung und den INR-Wert samt Marcurmar zu besorgen. Da konnte ich kaum gehen, geschweige denn stehen, ÖPNV war zwei Wochen nach dem Schlaganfall nun echt nicht drin. Die Barmer meint sie zahlen nur wenn ein Behindertenausweis mit entsprechender Behinderung vorliegt.

    Auch wie ich dann zur Reha nach Bad Oeynhausen hinkommen sollte war der DRV und der Barmer ziemlich Wurst, allein das ich mich um die Orga selbst kümmern musste schon ein schlechter Witz. Am Ende hat mich mein Chef persönlich dankenswerter Weise dort abgeliefert.

    Könnt Ihr Euch vorstellen wieviel Lust ich jetzt noch auf die ambulante "Reha" nächste Woche habe? Nochmal zwei Wochen Fremdbestimmung? War jetzt eigentlich genug "Reha" fur's Leben. Und wisst Ihr wer die Kosten für An- und Abreise tragen kann? Natürlich ich privat. Da wird in der Steuerklärung 2013 aber einiges unter "Außergewöhnliche Belastungen -> Gesundheitsausgaben" aufgeführt werden.

    Zumal man ja drei Monate nach nem Schlaganfall nicht Autofahren soll und danach am besten noch MPU und Nachprüfung und Neurologisches Gutachten und dann darf man VIELLEICHT wieder. Schon toll wenn die Krankenkasse in der Zeit dann auch noch sagt "Leck mich". Nochmals einen schönen Gruß an die Barmer an dieser Stelle! Nicht das ich derzeit die dicksten Beiträge aller Zeiten an Euch entrichtet habe und es in Eurem Sinne wäre das ich das bald wieder tun kann. Ihr müsst doch schon Brummen vor Blödheit.
  • Ich bin endlich auch dazu gekommen deinen Textblock vollständig und in einem stück zu lesen.

    erschreckend und unterhaltsam zu gleich - schonmal daran gedacht ein Buch zu schreiben? würde ich mir als buchmuffel doch glatt kaufen.
    Und so schlimm deine schilderungen auch sind aber dank deiner bekannt begnadeten Wortgewandheit konnte ich einen lachflash bei der stelle" Sie meinte „Das hab ich ja noch nie erlebt“, Ich: „Dann schreiben Sie sich das auf“." nicht verhindern.
    Ich freue mich einfach und bin dankbar das du, sowohl mental als auch physich, noch bei uns und auf dem weg nach vorne bist!


    Nicht ganz so krasses habe ich damals in meiner Stationären Psycho-Reha auch erlebt:
    "Die wichtigsten Kurse für Sie sind die Ergo-Therapie..." anders als Erwartet hatte das weniger mit Bewegung zu tun, nein, vielmehr war das "Basteln für Grundschüler mit bunter Pappe, Watte, Glitterstaub und Uhu-Kleber - naja so hatte man wenigstens was um sich vor dem Essen die Geschmacksnerven wegzuschnüffeln da dieses eh ungenießbar war, "...und therapeutisches Malen" was nichts anderes war als das man mit seiner Therapie-gruppe ohne Therapeuth in einen raum mit einem Kellerfenster eingefercht wurde zusammen mit nem haufen Wax- und Bundstiften und Din-A-2 plakaten. Na danke. Das ich Gelernter KfZ-Mechatroniker bin der mehr mit seinen Händen anzufangen weiss als Watte und glitter auf Bunter pappe zu verteilen oder Bilder von landschaften zu malen wurde trotz hinweis gekonnt ignoriert.

    Gruppentherapie war jeden morgen wobei hier füe jeden in etwa 4 Minuten Redezeit war und man sich ansonsten neben seinen eigenen sorgen die einem eh im hirn rumflattern noch die familieren und zwichenmenschlichen probleme der anderen mitnehmen durfte.
    Einzeltherapie war einmal die woche und das auch erst ab der 2. Woche. und das ganze 45 Minuten lang. immerhin wurde so an ganzen 6 Tagen in 7 Wochen in ganzen unglaublichen 4,5 Stunden an meinen problemen und woher diese kommen gearbeitet.

    Was man aber in jedemfalle sieht: Sobald man nicht mehr so funktioniert wie es die Wirtschaf...eh Gesellschaft von einem erwartet, in welcher weise auch immer, hat man ein ganz dickes problem.
    Für die GK ist man aufeinmal nur noch ein kostenfaktor, die DRV ist soweiso überfordert und wenn man dann nicht enge familie oder freunde hat stehste aufeinmal ganz alleine da.

    Naja unser gesundheitssystem spiegelt eindeutig nur wieder wie im arsch unsere gesellschafft eh schon ist.

    in freudiger erwartung der apocalypse und mit besten besserungswünschen,

    dein quattro
  • Danke auch Dir für Deinen Erfahrungsbericht!

    Wovon sollte das Buch handeln? Ich bin ja nicht Gaby Köster, deren Schlaganfall-Buch hätte ohne ihren Promi-Faktor vermutlich niemand verlegt. Deswegen ist es nicht schlecht, mir persönlich hat es aber auch nicht viel gegeben.

    Die Psycho-Schiene ist wohl auch wirklich die Letzte in die man in Deutschland geraten will, selbst wenn man "zurecht" da ist, kommst man aus der Nummer kaum wieder raus. In keinem medizinischen Bereich ist es so einfach gesunde Menschen als krank zu klassifizieren (und selbst das passiert schon beim Hausarzt - siehe "Schlechte Medizin"). Und wenn sich nicht gleich was findet ist man schnell in der Psycho-Ecke und mit Schlaganfall sowieso.

    Wenn Du glaubst Dir wird geholfen und Du dann sowas erlebst kommen die Selbstzweifel wo Du Dich (berechtigt) fragst ob Du noch alle Latten am Zaun hast oder ob die die Dir helfen wollen nicht einen größeren Therapie-Bedarf haben. In all diesen "Betrieben" wird Geld verdient und das Gesundheitssystem verdient nur an kranken Menschen, insbesondere in den "Reha-Einrichtungen". Das fängt schon damit an, was eine stationäre Reha soll, in der man kaum zwei Stunden Programm am Tag hat? Kann mir doch keiner erzählen dass das nicht ambulant geht. Das A und O ist es daher wirklich einen Arzt zu finden der noch nicht vergessen hat worauf er seinen Eid geschworen hat. Jenseits der Akut-/Notfallmedizin ist das wirklich schwierig.

    Dazu kommt noch der gelegentlich "ärztehörige" Bekannten- und Freundeskreis der Dir dann noch unerwartet in den Rücken fällt, wenn Du irgendwann merkst dass die "Reha" Dich nur kränker, mürber und deprimierter macht und man sich anfängt dagegen zu wehren und die Reissleine zu ziehen ("Wie kannst Du das tun, die haben ja alle Medizin studiert und sind so erfahren", "So kann Dir ja niemand helfen", "Die DRV zahlt Dir nie wieder was wenn Du das abbrichst" - ganz grober Unfug). Nach gleich dreifacher Falschmedikation in der Reha: Studiert, Erfahren, alles klar? Auch als Patient immer wach bleiben, mitmachen, sich alles erklären lassen. Blindes Vertrauen ist fehl am Platz wenn es um die eigene Gesundheit geht. Meine Meinung basierend auf meiner Erfahrung. Das Gegenteil von "Gut" ist "Gut gemeint".

    Es ist ja nicht so, dass man nicht selbst schon alles was man sagt und tut gleich zweimal hinterfragt (Hätte ich das vor dem "VorfalL" auch so gesagt/getan? Wäre mir das Mißgeschick vorher auch so passiert?). Dazu kommt, dass Du annimmst dass Dein Umfeld sich innerlich genau die gleichen Fragen stellt bei allem was Du von nun an sagst und tust. Auch das kann ein Stress sein der Spuren hinterlässt, insbesondere je länger man Dich aus dem Verkehr zieht, Dich nicht an Deine Arbeit zurück lässt und Dir das Gefühl gibt "ausgedient" zu haben. Wenn andere Leute - etwa auf der Arbeit - Deinen Zustand beurteilen die in den letzten acht Wochen kaum Zeit mit Dir verbracht haben. Wenn Du den Eindruck gewinnen musst das über Dich aber nicht mehr mit Dir geredet wird. Da tun sich plötzlich Baustellen auf die Du vorher gar nicht auf dem Zettel hattest, die Dir bisher als sichere Bank auf dem Weg zurück galten. Plötzlich gehen viele Menschen auf Distanz von denen man es nicht erwartet hätte und vielfach auch nur, weil sie ihre eigenen Ängste mit einer solchen Situation nicht umgehen zu können auf Dich projezieren. Zumindest versuche ich es mir so zu erklären, alles andere was mir dazu einfiele ist weit weniger schmeichelhaft.

    Auf der anderen Seite wäre es nicht sogar verwunderlich wenn einen eine solche Erfahrung nicht verändern würde? Da sagt natürlich jeder "Ja", erklärt aber im selben Moment jedwede Veränderung gern für bedenklich, siehe Absatz zuvor. "Wie man´s macht..."

    Was mir noch einfällt:

    Wenn Du vor dem Schlaganfall/Herzinfarkt starker Raucher warst und dann von jetzt auf gleich notgedrungen auf kalten Entzug gehst, dann ist die leichte Reizbarkeit des Patienten natürlich nur und ausschließlich dem traumatischen Ereignis geschuldet und Anzeichen einer Depression, nicht etwas des Entzugs. Auf einen anderen Trichter - wenigstens einen plausiblen Zusammenhang - kommt niemand, außer vielleicht Du selbst acht Wochen später. Immerhin kann man eine Depression mit Therapien und Psychopharmaka kostenintensiv behandeln, Nikotin-Entzug muss man dagegen einfach nur aushalten. Ich will natürlich Niemandem seine Depression ausreden, aber es KÖNNTE auch andere Zusammenhänge geben die im Einzelfall mit reinspielen. Angesichts der Schilderungen hier muss es nicht wundern wenn Patienten mit Fehlbehandlung und Angstmacherei regelrecht in eine Depression getrieben werden. Glücklicherweise bin ich nicht nur Träger von ungünstigen genetischen Dispositionen sondern auch mit dem "Steh-Auf-Gen" gesegnet. Hier eine visuelle Demonstration.



    In diesem Sinne: Kopf hoch, weiter machen!
  • Über fünf Wochen nach Ende der Reha liegt mir immer noch kein Entlassungsbericht vor. Der wurde mir "natürlich und umfänglich" bereits am 14.6. in Aussicht gestellt, freilich ohne Angabe ob dies noch zu meinen Lebzeiten erfolgen soll. Wiederholte Nachfragen auch über die DRV (deren Telefonanlage zufällig am Tag meines Anrufes ausgefallen war) ergaben bisher nichts. So ist jetzt fünf Wochen praktisch keine neurologische Weiterbehandlung möglich.

    Hier noch zur Auflockerung ein neckisches Bild meines Hirnschadens:

    image

    Ich nehme mal an das "weiße" sollte da nicht sein in der Mitte am Hirnstamm. Da ich sonst nichts auffäliges an den Bildern finde aber doch kein Mediziner bin kann ich mich natürlich auch komplett irren.
  • Uups, ich könnte auf dem Foto auch gar nichts erkennen.
    Ich würde denken, der weiße Punkt sagt gar nichts aus.

    Sieht so nach einer Zentrierungsposition aus, aber ich weiß es nicht.

    Hauptsache ist, das es dir besser geht. Versuchste denn, regelmässige Spaziergänge o.a. Aktivitäten einzuplanen?
    "Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." (Zitat von Albert Einstein)
  • Ich hätte es auch für denkbar gehalten dass das obere Ende der Wirbelsäule ist, mündet da ja ins Stammhirn. Eine Zentrierungsposition die das eigentliche Bild überlagert wäre ja wenig sinnvoll und dann auch auf den anderen 40 Billdern sichtbar. Ich werde das prüfen lassen spätetens beim Checkup am 6.8. .

    Ich hatte gestern von den drei iRacing-Rennen vom Sonntag offen gesagt schon tüchtig Muskelkater, bin dann aber meine 3.5km zügig gegangen, davon habe ich heute noch mehr Muskelkater. Heute morgen 35kg Einkauf am Stück hochgewuchtet zwei Stockwerke und jetzt zum Zahnarzt. Dann wird´s das für heute gewesen sein. Morgen dann wieder 30m Ergometer wenn´s geht. Bei der Hitze jetzt ist aber jede Bewegung schon zuviel.
  • 30meter müssten zu schaffen sein auf´m Ergometer ;-)

    sieht aus wi ein Elefantenfuß *duckundweg*
  • So, heute habe ich Post von der DRV-BUND erhalten, die haben meine 10seitige Beschwerde geprüft und nach eingehender "Objektivierung" (=Ignoranz) keinen Grund zur Beanstandung des medizinischen Handels gefunden. Demnach ist es also völlig in Ordnung wenn Patienten nach einem Schlaganfall die Blutgerinnung unter den Therapiebereich gewirtschaftet und mal die falschen Medikamente bekommen. Drei Wochen in derselben Bettwäsche zu liegen ist ohnehin medizinisch nicht relevant und erst sechs Wochen nach der Reha seinen Entlassungbericht in Händen zu halten das ist auch mal nichts. Von den ganzen dummen Sprüchen und der übersichtlichen Behandlung will ich gar nicht erst anfangen.

    Vielmehr "könne es sein, das Patienten Maßnahmen und Verordnungen im Einzelfall anders empfinden als diese aus ärztlicher Sicht beurteilt werden können. Ebenso wird es nicht in jedem Fall möglich sein, den Vorstellungen eines jeden Patienten gerecht zu werden".

    Die von mir gemachten konkreten Punkte wurden nicht mit auch nur einer Silbe angesprochen.

    Wer mich noch immer für einen Zyniker hält hat es noch nicht mit unserem Gesundheitssystem zu tun gehabt. Meine wesentliche konkrete "Vorstellung" war es in der Reha sehr bald angesichts des Erlebten nicht umgebracht zu werden und das ist keine Überspitzung. Deswegen wollte ich da raus und zwar schnell. Ist mir dann zum Gluck auch gelungen, seither ist meine Blutgerinnung acht Wochen genau dort wo sie sein soll.

    Auf der einen Seite habe ich es so bereits erwartet, auf der anderen doch sehr gehofft mich zu irren. Aber eben für "irre" lasse ich mich so einfach nicht erklären. Nächste Station: Fachanwalt für Patienten-/Medizinrecht.
  • 08/15 Standardschreiben - vermtl. Branchen üblich. Dranbleiben und ggf. Nochmal ein Schreiben über einen Anwalt verfassen. Oder resignieren und die Ungerechtigkeit der Welt beweinen.
  • Ja, ich hab der Tante schon eine Email geschickt sie möge zu den vier genannten Punkten konkret Stellung beziehen ob ich das tatsächlich richtig verstanden habe dass da in den genannten Punkten medizinisch nichts zu beanstanden sei, ich aber sicher jemanden finde der das anders sieht und man es wohl nicht zulassen kann das die da in der Einrichtung so weiter wurschteln wie gehabt und ich rechtliche Schritte prüfen werde. Da kommt der Rechtsschutz halt zum Einsatz für den ich schon zehn Jahre ungenutzt zahle.
  • Ist das einzige was wirklich zieht. Gibt es bei euch einer Verbraucherberatung? Könnte noch der Schritt davor werden....in bs leistet man sich sowas nach 15 Jahren Abstinenz endlich wieder mit zwei Vollzeitstellen.
  • Danke für den Tip, eine Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Niedersachsen haben wir hier in Osnabrück tatsächlich! Noch schlagkräftiger ist womöglich der SoVD e.V., die haben meiner Mutter auch die Erwerbsminderungsrente gegen die DRV erfolgreich durchgeklagt. Auch die haben in Osnabrück eine Beratungsstelle.

    Werde ich definitiv mal prüfen.
  • Ein Update: Tatsächlich erhielt ich binnen gesetzter Frist eine Antwort von der DRV, in der man mir zustimmt dass die Gabe falscher Medikamente doch nicht so optimal ist und die Einrichtung hier "ihren Prozess diesbezüglich optimiert hat". Auch bezüglich des Wäschewechsels will man der Einrichtung eine "Notiz zukommen lassen". Auch das ich sechs Wochen auf den Bericht warten musste gesteht man als suboptimal ein. Nur bei der Blutgerinnung sieht man sich weiterhin im Recht, "da es vorkommen kann das aufgrund von Ernährungsumstellungen Schwankungen auftreten". Gut, die Stroke-Unit konnte konnte Marcumar richtig dosieren, der Hausarzt im Anschluß konnte es, die Reha konnte es drei Wochen nicht, danach kann ich es sogar selbst. Das einzige was auffällt ist, dass ich immer und überall bis heute eine Dosis von einer 1er, 1,5 und 0.75 Tabletten hatte, nur in der Reha hat man mich mit 0,25 und 0,5 unterversorgt und das über 3,5 Wochen nicht hinbekommen mal zu ändern, auch nicht auf meine Ansage hin. Das Medikament habe ich sogar selbst mitgebracht, wurde ergo auch nicht umgestellt. Dann hat´s wohl am Essen gelegen.

    Ganz ehrlich liebe DRV-Bund und Johanniter Ordenshäuser gGmbH Bad Oeynhausen: Fickt Euch!

    Ich habe meinen Teil getan, wenn die weiter Leute falsch behandeln scheinen die ja immerhin bestens vorbereitet zu sein ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Bloß keine Verantwortung übernehmen, ob Arzt da die richtige Berufwahl ist?

    So, dann hatte ich ja nen ersten Check am 6.8. beim Neurologen Fachrichtung Gefäßdings: Die arteria vertebralis links ist nun wohl ganz dicht. Ein Zusammenhang zwischen der subtherapeutischen Blutgerinnung in der Reha und diesem Gefäßverschluß ist natürlich rein zufällig. Gut, mir bleibt ja noch die vertrebralis rechts und die beiden carotis (Halsschlagadern), das muss reichen.

    Noch eine witzige Anekdote am Rande: Die Barmer hat mir eine Rechnung in Höhe von 10,-€ geschickt: "Zuzahlung für Krankentransport". Welche Bundesregierung sich das ausgedacht hat...

  • Ab heute darf ich mich rückwirkend zum 24.4. über einen "Grad der Behinderung von 60 mit den Zusätzen G und B" freuen, ab einem GdB von 50 gilt man offiziell als schwerbehindert. Mensch, das ging ja schnell sagt der Zyniker in mir, die haben wohl erst abwarten wollen ob ich nicht in der Zwischenzeit verrecke bevor sie unnötig mit dem Papierkram Arbeit haben. Eine vorläufige Feststellung und spätere Überprüfung wäre wohl unmöglich gewesen, doch wäre sie, aber wohl nicht für mich.

    Beleuchten wir die zahlreichen "Priviligien" in loser Reihenfolge die ich als Schwerbehinderter genießen darf:

    - 50% Rabatt auf die KFZ-Steuer, 146,50 (Zusatz G)
    - 720,-€ Steuerfreibetrag
    - Schutz bei Wohnungskündigung
    - Eine Arbeitswoche Zusatzurlaub
    - Bevorzugte Einstellung, Beschäftigung, Kündigungsschutz, Integrationsamt muss Kündigung zustimmen
    - Begleitende Hilfe im Arbeitsleben, zum Beispiel Arbeitshilfsmittel, Arbeitsassistenz
    - Freistellung von Mehrarbeit
    - Vorzeitige Altersrente ohne Abzüge (60/63)
    - Beitragsermäßigung bei Automobilclubs
    - Ermäßigungen bei Fluggesellschaften
    - KFZ Finanzierungshilfen
    - Ermäßigung bei Kurtaxen
    - Freibeiträge bei Pflegebedürftigkeit
    - Freistellung vom Wehrdienst

    Immerhin. Ich würde dennoch liebend gern darauf verzichten wenn ich den Zustand vom 1.4. dafür zurück erhalten dürfte. Und nein, einen Behindertenparkplatz darf ich damit nicht benutzen.

    Die 10,-€ Zuzahlung für den Krankentransport habe ich bis heute nicht an die Barmer gezahlt.

    Mein Schlaganfall hat übrigens die Krankenkasse knapp 8.000,-€ gekostet mit der Fahrerei, einigen Schädel CTs, einem MRT, einer Angio, einer Lumbalpunktion, diversen Ultraschalls, 14 Tagen stationärem Aufenthalt, den Medikamenten, Wäsche, Pflege, Essen. Die Fallpauschalen sind echt ein Witz, die kann ich auch mit den lächerlichen 150,-€ Zuzahlung kaum nennenswert aufwerten. Das man dafür keine "Deluxe-Behandlung" bekommt die man sich doch irgendwie wünscht ist logisch, aber bitter. Genießt also mit mir den bitteren Geschmack der Erkenntnis! Zum Vergleich: Ich zahle 9.000,-€ Lohnsteuer im Jahr (und die zahle ich gern!)
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